Erfahrungsberichte Qigong Retreat
Nach dem Retreat mit Suhui Kwon haben wir einige Teilnehmende gebeten, ihre Erfahrungen festzuhalten. Es ist sehr spannend zu lesen, wie unterschiedlich das Erlebte wahrgenommen und in Worte gefasst wird. Im Folgenden könnt ihr vier verschiedene Berichte lesen – vier individuelle Perspektiven auf dasselbe Retreat. Sie zeigen eindrücklich, wie vielfältig Menschen sind und wie unterschiedlich ein gemeinsames Erlebnis nachklingen kann. Eine Gemeinsamkeit jedoch verbindet alle: Die Erfahrung wirkt bis heute nach.
Andrea
Höre und lausche tief deiner inneren Stimme. Vertraue ihr, folge ihr. Dein Herz ist bereit. Sammle immer wieder und überall helles, reines, frisches, strahlendes, kraftvolles Qi. Gehe weit hinaus, gehe bis ans Ende des Universums und noch weiter. Sammle, sammle und nimm es tief in dich auf. Fülle dein Herz, deine Seele und deinen Geist und lasse es in deinen Körper fliessen. Lasse alles Alte, alles Verbrauchte, alles Dunkle und Schwere, alle Schmerzen los. Arbeite es mit aller Kraft durch deine sprudelnde Quelle und Zehen hinaus, schicke es zurück in die Erde, die so weiss und so hell, so weit und tief, verdichtet und rein, alles aufnimmt und verwandelt.
All das wundervolle kraftvolle helle Qi – nimm in dich auf, in dein Herz und dein Dantian.
Mit tiefem Dank und Dankbarkeit für diese wertvolle, inspiriernde Begegnung mit Suhui Kwon. Ihr kraftvolle, achtsame Präsenz, ihr beindruckend wahrhaftiges kongruentes Auftreten- ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur, ihr stetiges Üben in jedem Moment, ihr Lachen, ihre Worte, ihr Wesen, ihr Qigong hat mich tief berührt und klingt und wirkt in mir nach.
Karin
Das QiGong-Retreat mit Suhui war für mich sehr inspirierend. Die vier Tage sind so schnell vergangen und dennoch hatte ich das Gefühl, als hätte ich drei Wochen Ferien gehabt.
Das Seminar war sehr hilfreich und hat mir einmal mehr bewusst gemacht, wie wichtig es ist, viele Basisübungen für Beine, Becken und die Mitte zu trainieren. Dadurch, dass wir uns immer wieder Zeit für das ruhige Nachspüren genommen haben, ist in meinem Körper etwas in Bewegung gekommen.
Einige Übungen praktiziere ich im Moment sehr regelmässig und ich bemerke, wie sich meine Balance, die Beweglichkeit und auch die Halte- und Standkraft in den Beinen verbessern.
Die Arbeit mit Suhui hat mir gezeigt, wie wichtig eine gute Struktur im QiGong und Taiji ist. Die Essenz – das Wahrnehmen der Mitte, die Erdung sowie die Stabilität in Beinen und Becken – lässt mich wirklich ruhig und ausgeglichener sein.
Ich kann dieses QiGong-Retreat wärmstens weiterempfehlen und würde mich sehr freuen, wenn es eine Wiederholung gibt.
Tanja
Suhui Kwon ist eine sehr lustige Lehrerin, bodenständig und ohne Guru-Aura. Ihr war es wichtig, dass wir als Teilnehmende in uns dieses Qi, die Lebenskraft, direkt spüren. Was wir während der jeweils fünf Stunden Training pro Tag immer wieder von ihr hörten: «Das Qi ist nicht nur in deinem Körper, das Qi ist alles. Dein Körper ist nur eine scheinbare Grenze, du kannst durchlässig werden für das Qi. Wenn du die Hände nach vorn schiebst und sie wieder zurückziehst, dann geht diese Bewegung weiter über dich hinaus bis ins Universum. Egal was du machst, du bewegst das ganze Universum. Das musst du dir vorstellen.»
Als ich wieder zu Hause einen Teller abwusch, experimentierte ich ein wenig mit dieser Vorstellungskraft. Wie meine Bewegung also den Jupiter einseifte und schrubbte und zu guter Letzt auch noch den Polarstern polierte. Ganz lustig wurde es, als ich auf dem Trampolin hüpfte und damit das Universum dermassen durchschüttelte, bis die Galaxien zusammenstiessen.
Natürlich war das ja nicht so gemeint. Die Arbeit mit der Vorstellungskraft ist ein hilfreiches Werkzeug, um den Geist zu schulen und zu fokussieren. Suhui betonte immer, dass es im Kern immer um die direkte Erfahrung geht. Das Hineinfühlen in das Sein war für mich jetzt nicht ganz neu, aber es hat sich in der Tat verändert, auf eine ganz leise und feine Art, ich kann das gar nicht genau beschreiben. Die Atmung fühlt sich viel weiter an, als würde ich in alles, was da ist, hineinatmen und in einem gewissen Sinne tatsächlich «bewegen», weil es eben keine Trennung gibt.
Anita & Christof
The brilliant Lady of Power
Als Barbara und Jaewoo irgendwann im 2025 das Qigong-Retreat mit Suhui Kwon ausgeschrieben hatten, waren Christof und ich sofort Feuer und Flamme. Was könnte es Schöneres geben, als damit das neue Jahr zu beginnen. Also haben wir uns für den 01.-04. Januar angemeldet, ein Hotel gebucht und freuten uns auf eine neue Erfahrung.
Dann war der 01. Januar da und um kurz vor 10:00 Uhr fanden wir uns im schönen Trainingsraum von Chen Taiji Bern ein – ohne Erwartung, dafür mit grosser Vorfreude. Da sass sie, die uns völlig unbekannte Lehrerin, in der Tee-Ecke und man hatte das Gefühl, dass sie einfach in aller Ruhe wahrnahm, was da um sie herum geschah.
Alles, was wir wussten, hatten wir auf der Website von Chen Taiji Bern gelesen.
Schon bei der Begrüssung herrschte eine sehr wohlige Atmosphäre. Umziehen, Matte im Trainingsraum ausrollen, Wolldecke sowie Sitzkissen platzieren und schon ging es los. Barbara hiess alle herzlich willkommen. Ihre Freude darüber, dass Suhui extra aus Korea in die Schweiz gereist war, um in Bern zu unterrichten, war unübersehbar.
Suhuis Präsenz konnte wohl jeder trotz ihrer eher zurückhaltenden Art sofort spüren. Ihre Energie! Ihre Ausstrahlung! Und für uns alle eine Erleichterung: Suhui spricht ein verständliches Englisch.
In den nächsten vier Tagen standen die Übungen des Basislevels des Tian Dao Qigong (Der Weg des Himmels Qigong) auf dem Programm. Sich bei diesem Bericht darauf zu beschränken, wäre aber nur die halbe Wahrheit.
Ohne grosse Umschweife waren wir nach Barbaras Begrüssung sofort mitten in der ersten Übung. Bai Hui, Yong Quan, Hui Yin; wir kannten die drei wichtigen Körperpunkte schon aus dem Taijiquan. Die intensive Arbeit allerdings mit dem Yong Quan, also dem Nieren-1-Meridian-Punkt oder auch «Sprudelnde Quelle» genannt, war für uns neu.
Suhui leitete uns an, riesig zu werden, um unseren Kopf ins Universum zu strecken und gleichzeitig unsere Füsse ins Erdinnere vordringen zu lassen. Wir dehnten unsere Energie aus und zogen sie zurück ins untere Dantian.
Immer wieder suchten wir die Verbindung zur Energie des Universums und des Erdkerns. «Deep and wide», hörten wir Suhui mit sanfter Stimme sagen. Tief hinein in den Erdkern, die heisse Energie in den Körper ziehen, die verbrauchte Energie ins Erdinnere leiten, wo sie sich auflösen kann. Die Universumsenergie sammeln und verdichten und über den Scheitelpunkt in die Körpermitte leiten. Im Stehen, Liegen und im Schneider- oder Lotussitz. Bei Christof und mir war es eher ein halber Lotus und wir beide konnten spüren, wie die Beine einschliefen. Wie sollten wir bloss je wieder aus dieser Position rauskommen?
«Mind and Consciousness» ist der Schlüssel zum Glück. Neben «deep and wide» wohl die Worte, die wir in diesen vier Tagen am häufigsten hörten und die besonderen Erklärbedarf nach sich zogen. So übten wir uns darin, bewusst, aufmerksam, achtsam zu sein und mit unserer Vorstellungskraft die Übungen von der rein körperlichen auf eine energetische Ebene zu bringen.
Und dann hatten wir uns eine Pause verdient. Mitten im Trainingsraum breitete Barbara eine grosse Decke für unser Picknick aus. Gut die Hälfte der Gruppe sass plaudernd, lachend und manchmal auch eher in sich gekehrt im Kreis. Für diejenigen, die nach dem Imbiss nicht spazieren gingen, bereitete Jaewoo Tee zu. Vielen Dank.
In den kommenden Tagen brachte uns Suhui weitere Übungen bei. Gehen zum Beispiel. Ja genau, Gehen. Selbstverständlich geht es hier nicht um das unbedachte, alltägliche Gehen, sondern vielmehr um ein bewusstes, energetisierendes, vom Becken ausgehendes Bewegen. Zunächst verbinden wir uns wieder mit dem Universum und mit dem Erdkern, dann kippen wir das Becken nach hinten, dabei bewegt sich das hintere Bein nach vorne. Der Fuss, der eben noch über Yong Quan tief in der Erde steckte, schöpft diese heisse Energie an die Oberfläche und in den Körper. Wir setzen ab, verwurzeln und geben die Energie zurück an die Erde. Ein Kreis aus Menschen bewegte sich sehr langsam im Raum. Von aussen mutete es wohl komisch an, wie sich da alle mehr oder weniger abmühten, das Becken so zu kippen, dass überhaupt eine Bewegung entstand. Manchmal war die Wärme zu spüren, wie sie im Bein nach oben stieg. Manchmal blieb es reine Vorstellung. Auf diese Weise würde ich jetzt nicht unbedingt durch Bern laufen wollen, aber zu Hause kann ich meine Kreise ziehen.
Schon sassen wir wieder auf unseren Matten und Sitzkissen und konzentrierten uns auf das Illuminieren unserer Hände. Sonne in der linken, Mond in der rechten Hand. Die gerade Verbindung der beiden halten wir aufrecht und bewegen die Hände über das Drehen der Ellbogen im Halbkreis vor dem Körper auf und ab.
Suhui ging von Schülerin zu Schüler, korrigierte und unterstützte. Ganz nebenbei setzte sie ihre heilerischen Fähigkeiten ein. Rückschmerzen? Die hatte sie ohne nachzufragen längst entdeckt und schon liess sie Energie in diesen Körper fliessen.
Da wurde auch mal eine Übung für einen Menschen unterbrochen, damit Suhui heilend helfen konnte. Hier und da, mal wie nebenbei, mal ganz konkret, Suhui liess alle an ihren ausserordentlichen Fähigkeiten teilhaben. Mit ihrer Herzlichkeit und ihrer ganz besonderen Wahrnehmung gelang es Suhui, jeden einzelnen abzuholen, einzubeziehen und an ihrer eigenen Begeisterung und Erfahrung teilhaben zu lassen.
Wir könnten hier noch endlos darüber berichten, was wir gelernt und nach vier Wochen auch schon wieder vergessen haben. Aber wie zu Anfang erwähnt, waren es nicht die blossen Übungen, die hier zur Sprache kommen sollten, sondern was uns sehr beindruckt hat.
Am dritten Abend blieben wir etwas länger und sahen, wie Suhui zurück in den Trainingsraum ging, wo Jaewoo wie jeden Abend dabei war, den Boden zu reinigen. Suhui ging herum und man konnte sehen, wie sie überall der Energie nachspürte. Gemeinsam mit Jaewoo ging sie zu den Plätzen, wo tagsüber die Teilnehmer:innen übten. Dort spürte und vielleicht reinigte sie auch das, was sie an Energie vorfand. Das wissen wir nicht. Als sie fertig war, erklärte sie uns, dass sie genau spüren könne, dass Barabaras und Jaewoos Energie sehr deutlich wahrzunehmen sei. Dort, wo die beiden als Lehrer während ihres eigenen Unterrichts stünden, seien ihre Energien sehr stark wahrzunehmen.
Zu guter Letzt wollen wir zum Titel unseres Berichtes ein paar Worte verlieren. In einem Gespräch fragte Christof Suhui, welche Bedeutung ihr Name habe. «Suhui means ‘the brilliant Lady’ and Kwon means ‘Power’», erklärte sie lachend. Wie ausserordentlich passend!
Mit einem grossen Dankeschön an Suhui für alles, was wir gelernt und empfangen durften, an Barbara und Jaewoo für die Organisation, für ihre Grosszügigkeit und ihren unermüdlichen Einsatz zugunsten Qigong und Taijiquan sowie an die wirklich tolle Gruppe schliessen wir unseren Bericht. Wir sind immer noch tief beeindruckt.